Die 10 schönsten Orte in BiH — 3 kennt kaum jemand

Meine persönliche Liste nach einem Leben in Bosnien & Herzegowina

Autor: Lana Mehmedović

Bosnien & Herzegowina hat zehn, zwanzig, hundert Orte, die einem den Atem verschlagen. Aber welche lohnen sich wirklich? Ich lebe seit meiner Geburt hier, habe über 800 Raftingtouren auf der Una geführt und kenne Ecken, die selbst einheimische Städter nicht kennen. Hier ist meine ehrliche Liste der 10 schönsten Orte in BiH — mit drei Plätzen, die du in keinem deutschen Reiseführer findest.

1. Štrbački Buk — die Una, wie sie sein soll

Ich bin voreingenommen. Das gebe ich zu. Aber ich sage trotzdem: Štrbački Buk im Una-Nationalpark ist der schönste Wasserfall auf dem Balkan — und ich habe Plitvice gesehen, ich habe Krka gesehen. Der Štrbački Buk ist eine Doppelkaskade aus smaragdgrünem Wasser, das über Travertinfelsen donnert. 25 Meter Fallhöhe, 140 Meter Breite. Und keine 200 Touristenbusse auf dem Parkplatz.

Als ich 2019 zum ersten Mal eine Gruppe internationaler Raftingführer hierher gebracht habe — Leute aus Österreich, der Schweiz, Neuseeland — haben alle einfach geschwiegen. Das passiert selten bei Outdoormenschen.

„Una statt Plitvica" — das sage ich meinen Gästen seit Jahren. Štrbački Buk ist genauso dramatisch, nur ohne die Massen.

Praktische Infos Štrbački Buk

  • Lage: Una-Nationalpark, ca. 30 km nordwestlich von Bihać; GPS: 44.834° N, 16.003° O
  • Eintritt: ca. 5 KM (≈ 2,50 €) Nationalpark-Gebühr
  • Beste Zeit: Mai–Juni (höchster Wasserstand) oder September (warm, wenig Besucher)
  • Kombination: Direkt mit einer Rafting-Tour auf der Una verbindbar — ab Bihać buchbar

2. Sarajevo — aber bitte nicht nur Baščaršija

Sarajevo ist die einzige europäische Hauptstadt, in der du in 200 Metern Fußweg eine Moschee, eine orthodoxe Kirche, eine Synagoge und eine katholische Kathedrale passierst. Das klingt nach Reiseführer-Klischee. Es stimmt trotzdem.

Was die meisten verpassen: Sarajevo ist morgens um 7 Uhr eine andere Stadt. Wenn die Baščaršija noch schläft und der Sebilj-Brunnen im Morgennebel steht, dann spürst du die Schichten dieser Stadt. Osmanisch, habsburgisch, jugoslawisch, post-Krieg — alles übereinander, alles gleichzeitig.

Geh auf die Trebević-Seilbahn. Lauf zur verlassenen Bobbahn von 1984. Steh zwischen den Graffitis und den Kiefern und schau auf die Stadt hinunter. Das kostet dich zwei Stunden und ist das Ehrlichste, was Sarajevo dir zeigen kann.

  • Trebević-Seilbahn: ca. 10 KM Hin- und Rückfahrt, täglich geöffnet
  • Galerija 11/07/95: Dokumentation des Srebrenica-Genozids — emotional schwer, aber wichtig. Eintritt ca. 10 KM
  • Ćevapi-Tipp: Nicht in den Touristenlokalen — geh zu einem der Kasap-Grills in Bjelave oder Kovači

3. Blagaj — Derwische, Karstquelle und das beste Flussufer BiHs

12 Kilometer südlich von Mostar, und die meisten Mostar-Besucher verpassen es. Die Tekija in Blagaj ist ein Sufi-Derwischkloster aus dem 17. Jahrhundert, das direkt in den Fels gebaut wurde — unmittelbar an der Buna-Quelle, einer der größten Karstquellen Europas. Der Fluss tritt mit 43 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Berg. Das Wasser ist so klar, dass du den Grund siehst, obwohl er vier Meter tief ist.

Als ich 2024 zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder in Blagaj war — ich komme aus dem Norden, also nicht so oft — habe ich bemerkt, dass die Restaurants am Flussufer voller geworden sind. Der Touristenstrom aus Mostar hat zugenommen. Trotzdem: Komm früh morgens oder nach 17 Uhr, dann gehört dir das fast allein.

  • Tekija Eintritt: 5 KM (≈ 2,50 €)
  • Öffnungszeiten: täglich 8:00–20:00 Uhr (Sommer), Winterzeiten variieren
  • Tipp: Mittagessen direkt am Fluss — gegrillte Forelle für ca. 12–15 KM

4. Sutjeska-Nationalpark — der älteste Urwald Europas

Der Perućica-Urwald im Sutjeska-Nationalpark ist einer der letzten Primärwälder Europas. Buchenwälder, die seit der letzten Eiszeit nicht angefasst wurden. Bäume mit zwei Metern Stammdurchmesser. Der Skakavac-Wasserfall fällt 75 Meter in die Tiefe, und du bist meistens allein dabei.

Wichtig: Der Perućica-Urwald ist nur mit einem zertifizierten Guide zugänglich, maximal 16 Personen pro Tag. Das ist kein bürokratisches Ärgernis — das ist Naturschutz, der funktioniert. Buche früh, vor allem im Juli und August.

Und dann ist da noch der Maglić — 2.386 Meter, höchster Gipfel BiHs, Grenze zu Montenegro. Die Besteigung ist technisch nicht schwierig (UIAA I–II), aber der Weg ist lang. Plan 8–10 Stunden für die Rundtour ein.

Sicherheitshinweis: Im Sutjeska-Gebiet gibt es noch nicht geräumte Minenfelder aus dem Krieg 1992–95. Verlasse niemals markierte Wege. Konsultiere die BHMAC-Minengefahrenkarten vor der Tour.

5. Kravica — der schwimmbare Wasserfall

Kravica ist 25 Meter hoch, 120 Meter breit, und du kannst direkt darunter schwimmen. Das Wasser fällt in ein türkisblaues Becken, das im Sommer wie ein Naturpool funktioniert. Kravica liegt 40 Kilometer westlich von Mostar und ist gut mit dem Auto erreichbar.

Ehrlich gesagt: Im Juli und August ist Kravica überfüllt. Laut, voll, Liegestühle an Liegestühlen. Wenn du Einsamkeit suchst, komm im Mai oder September. Dann hast du das Becken fast für dich — und das Wasser ist immer noch warm genug zum Schwimmen.

  • Eintritt: ca. 10 € in der Hochsaison
  • Beste Zeit: Mai–Juni oder September
  • Kombination: Blagaj + Kravica + Počitelj als Tagesroute ab Mostar machbar

6. Jajce — der Wasserfall mitten in der Stadt

Jajce hat einen Wasserfall. Mitten in der Stadt. 22 Meter hoch, direkt neben der Hauptstraße. Der Pliva-Wasserfall ist das bekannteste Stadtbild BiHs nach dem Stari Most — und trotzdem kommen deutlich weniger Touristen hierher als nach Mostar.

Was Jajce wirklich besonders macht: die Mlinčići, die hölzernen Wassermühlen am Pliva-See. Ein Dutzend kleiner Holzhütten auf dem Wasser, jede mit einer funktionierenden Mühle. Das ist kein Freilichtmuseum — die Mühlen werden noch genutzt. Dazu die Festung oben auf dem Hügel, die Katakomben darunter, das Tito-Museum. Für eine Stadt dieser Größe ist das kulturell außerordentlich dicht.

7. Lukomir — das höchste Dorf BiHs (Geheimtipp Nr. 1)

Lukomir liegt auf 1.469 Metern, auf dem Bjelašnica-Plateau, 45 Kilometer südlich von Sarajevo. Es ist das höchstgelegene und am besten erhaltene traditionelle Bergdorf BiHs. Im Winter ist es bis Mai eingeschneeien und von der Außenwelt abgeschnitten. Die Einwohner — heute noch etwa 20 im Sommer — leben in Steinhäusern mit Holzdächern, wie vor 200 Jahren.

Die meisten Touristen kommen auf Tagestouren ab Sarajevo. Ich sage dir: Übernachte dort. Die Pension Mujo Likić bietet einfache Zimmer für ca. 30–40 KM pro Person mit Halbpension. Und wenn abends die Sterne über dem Plateau aufgehen und der nächste Lichtschimmer 20 Kilometer entfernt ist — das ist ein Erlebnis, das du nicht vergisst.

Achtung: Die Schotterstraße nach Lukomir ist im Frühjahr und nach Regen schwierig. Ein Allrad-Fahrzeug oder zumindest ein Fahrzeug mit hoher Bodenfreiheit ist empfehlenswert.

8. Trebinje — Wein, Stille und Südlichkeit (Geheimtipp Nr. 2)

Trebinje ist die südlichste Stadt BiHs, 30 Kilometer von Dubrovnik entfernt. Während die kroatische Küste im Sommer unter Massentourismus stöhnt, sitzt du in Trebinje unter Platanen am Trebišnjica-Fluss, trinkst lokalen Žilavka-Weißwein für 3 KM das Glas und redest mit niemandem außer dem Wirt.

Die Žilavka-Traube ist autochthon aus der Herzegowina — mineralisch, mit einer leichten Mandelnote, perfekt für heiße Sommertage. Das Weingut Vukoje produziert meiner Meinung nach die beste Flasche der Region. Eine Weinkellertour mit Verkostung kostet ca. 15–20 KM.

Dazu: das Tvrdoš-Kloster (serbisch-orthodox, mit eigenem Weinkeller), die Hercegovačka Gračanica oben auf dem Hügel mit Panoramablick über die Stadt. Trebinje ist entspannt, günstig und fast touristenfrei. Für Backpacker, die Dubrovnik lieben aber den Rummel hassen, ist es perfekt.

9. Mostar — ja, trotzdem

Ich weiß. Jeder kennt Mostar. Jeder kennt den Stari Most. Die 1566 von Hayruddin erbaute osmanische Bogenbrücke aus Kalkstein, 21 Meter über dem Neretva-Fluss. Im Sommer springen die Mitglieder des Mostarski Ronilački Klub von der Brücke — eine Tradition seit 1664, die beim jährlichen Diving-Wettbewerb im Juli ihren Höhepunkt findet.

Mostar ist touristisch. Mostar ist im Sommer voll. Aber Mostar ist auch ehrlich schön. Und es gibt einen Trick: Komm zum Sonnenaufgang. Zwischen 8 und 9 Uhr morgens, wenn die Souvenirläden noch geschlossen sind und die ersten Lichtstrahlen die Brücke in Orange tauchen, dann verstehst du, warum diese Stadt UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Was ich weniger empfehle: Die Touristenrestaurants direkt an der Brücke. Geh zwei Gassen weiter, iss für die Hälfte besser.

10. Rakitnica-Schlucht — BiHs wilder Süden (Geheimtipp Nr. 3)

Die Rakitnica-Schlucht ist 26 Kilometer lang, bis zu 1.000 Meter tief und so gut wie unbekannt. Sie liegt zwischen Bjelašnica und Visočica, südlich von Sarajevo. Kein Ort auf meiner Liste hat mich so überrascht wie die Rakitnica beim ersten Mal — und ich bin jemand, der in Schluchten lebt.

Das Canyoning hier ist technisch anspruchsvoll: Abseilen, Sprünge, Wasserdurchquerungen. Für Anfänger ohne Guide absolut nicht geeignet. Aber mit einem erfahrenen lokalen Canyoning-Guide — ich empfehle Anbieter aus Konjic — ist es ein Erlebnis, das selbst hartgesottene Outdoormenschen sprachlos macht.

Warum kennt kaum jemand die Rakitnica? Weil es keine gute Straße gibt. Kein Parkplatz mit Imbissstand. Keine Instagram-Plattform. Nur Fels, Wasser und Stille. Genau das macht sie so außergewöhnlich.

Praktische Infos Rakitnica

  • Ausgangspunkt: Konjic (ca. 60 km südlich von Sarajevo)
  • Schwierigkeit: Canyoning mittel bis schwer — nur mit Guide
  • Dauer: Halbtages- bis Ganztagestouren möglich
  • Kosten: ca. 50–80 € mit Guide und Ausrüstung
  • Saison: Mai–Oktober

Mein Fazit nach einem Leben in BiH

Ich bin lizensierte Raftingführerin, ich habe über 800 Touren auf der Una gemacht, ich habe Bosnien in allen vier Jahreszeiten erlebt. Und ich sage dir: BiH ist eines der am meisten unterschätzten Reiseziele Europas. Nicht wegen der Sehenswürdigkeiten — die gibt es anderswo auch. Sondern wegen der Kombination aus wilder Natur, echter Geschichte und einer Gastfreundschaft, die ich nirgendwo sonst so erlebt habe.

Die drei Orte, die kaum jemand kennt — Lukomir, Trebinje, Rakitnica — sind nicht deshalb besonders, weil sie unbekannt sind. Sie sind besonders, weil sie BiH in seiner ehrlichsten Form zeigen: rau, schön und unverfälscht.

Wenn du nur eine Woche hast: Sarajevo + Una-NP + Mostar. Wenn du zwei Wochen hast: Füg Lukomir, Trebinje und die Sutjeska hinzu. Wenn du mehr Zeit hast — ruf mich an. Ich kenn noch mehr Orte.

FAQ — Häufige Fragen zu den schönsten Orten in BiH

Was ist der schönste Ort in Bosnien & Herzegowina?

Das hängt davon ab, was du suchst. Für Natur und Wildwasser: Štrbački Buk im Una-Nationalpark. Für Kultur und Stadtflair: Sarajevo. Für osmanische Architektur: Mostar und Blagaj. Für absolute Abgeschiedenheit: Lukomir oder die Rakitnica-Schlucht.

Welche Orte in BiH sind wirklich überlaufen?

Mostar im Juli und August ist sehr touristisch — vor allem rund um den Stari Most. Kravica-Wasserfälle sind im Hochsommer voll. Sarajevo ist ganzjährig gut besucht, aber nie so überfüllt wie Dubrovnik oder Plitvice.

Welche unbekannten Orte in Bosnien lohnen sich?

Lukomir (höchstes Bergdorf), Trebinje (Weinstadt im Süden), die Rakitnica-Schlucht (Canyoning), und das Sutjeska-Nationalpark-Innere abseits der Hauptwege. Diese vier Orte bekommt kaum ein Reiseführer auf dem Schirm.

Wann ist die beste Reisezeit für BiH?

Mai–Juni für Wasserfälle und Natur (höchster Wasserstand, weniger Touristen). September–Oktober für Wandern und angenehme Temperaturen. Juli–August für Rafting und Strand in Neum — aber dann ist es heiß und voller.

Ist Bosnien sicher für Reisende?

Ja. Die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig. Wichtigste Ausnahme: Minenfelder aus dem Krieg 1992–95 existieren noch in ländlichen und Berggebieten. Verlasse niemals markierte Wege, vor allem in Sutjeska, Romanija und abgelegenen Regionen. Aktuelle Karten gibt es beim BHMAC (Bosnian Mine Action Centre).

Wie viel kostet ein Urlaub in BiH?

BiH ist etwa 50% günstiger als Deutschland. Ein Hauptgang im Restaurant kostet 5–12 €, ein Hostel-Bett 12–25 € pro Nacht, ein Cappuccino 1,50–2,50 €. Mit 50–70 € pro Tag lebst du gut, mit 30–40 € kommst du als Backpacker durch.

💶 1 EUR ≈ 1,96 BAM
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